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30 Juli 2018
Wissenswertes

Eine Reise in die Vergangenheit des Telefon-Butlers

Alter Anrufbeantworter Telefonansagen

Führen Anrufbeantworter zu weniger Telefongesprächen? Das war allen Ernstes die Prognose der Verantwortlichen bei AT&T in den 30er-Jahren. Aber eins nach dem anderen.

Die Geschichte des Anrufbeantworters beginnt tatsächlich schon 1898, mit zwei abenteuerlichen Maschinen namens Telephonograph und Telegraphon. Der Telephonograph verband ein Telefon mit einem Phonographen. Aufgezeichnet wurde auf Walzen aus Wachs. Die gingen auf das Konto von Technik-Legende Thomas Alva Edison.  

Das Telegraphon war das erste Gerät mit elektromagnetischem Aufzeichnungsverfahren auf Stahldraht. Damit ist es ein direkter Vorfahre des späteren Tonbandgerätes. Es war als Anrufbeantworter geplant, wurde aber vor allem als Diktiergerät angepriesen. 1900 heimste das Telegraphon auf der Weltausstellung in Paris einen Grand Prix ein. Von damals stammt auch die älteste noch existierende Tonbandaufzeichnung, mit der Stimme von - sage und schreibe - Kaiser Franz Joseph.

Als erster Anrufbeantworter gilt heute das Textophon. Die Stahldrahtrollen waren hier in passende Gehäuse eingefasst, weshalb das Gerät in Fachkreisen auch als erster Kassettenrekorder gepriesen wird.

1931 präsentierte William Schergens einen monströsen Apparat, der selbstständig Telefonanrufe entgegennehmen und eine Nachricht auf einen Phonographen aufzeichnen konnte. Dieses Gerät fand jedoch keine große Verbreitung.

In den USA tüftelte Clarence Hickman in den 30er-Jahren ebenfalls an einem Anrufbeantworter. Das Telefonunternehmen AT&T hielt die Erfindung jahrelang unter Verschluss. Bei AT&T hatte man die Hosen voll, weil man fürchtete, dass Anrufbeantworter zu weniger Telefongesprächen führen. Zukunftsprognosen waren also schon immer sehr zuverlässig.

Den ersten bekannten automatischen Anrufbeantworter entwickelte 1938 der deutsche Nachrichtentechniker Willy Müller in seiner Münchener Firma für Apparateversuchsbau: Das Ipsophon (siehe Bild oben). Es hatte bereits sämtliche heute selbstverständlichen Features integriert: Passwortschutz, Fernabfrage, Überspringen von Leerstellen, sogar Fernlöschen war möglich. Eine echte Pionierleistung!  Es waren allerdings düstere Zeiten. Aus Angst vor Bombenangriffen brachte der Erfinder den Prototyp deshalb in die sichere Schweiz, wo er später eine eigene Firma gründete. Mehr zum Ipsophon-Anrufbeantworter.

1953 wurden in Deutschland erstmals Anrufbeantworter für den Privathaushalt angeboten. Die von Willy Müller hergestellten Geräte nannten sich "Sprachspeichergeräte".

1961 wurde in Deutschland das Alibiphon zugelassen. Der Anwender konnte eine Anrufbeantworter-Ansage mit max. 40 Sekunden Länge selbst auf einer Magnettonplatte aufnehmen und jederzeit ändern. Mit Hilfe eines zusätzlich angeschlossenen Tonbandgerätes konnten sogar Nachrichten der Anrufer aufgezeichnet werden. 

1946 erschien mit dem Notaphon wieder ein Gerät aus der Schweiz auf dem Plan, das die Funktion „Anrufbeantworter mit Fernabfrage“ beherrschte. Die Fachpresse verpasste dem Gerät den kultigen Namen „Telefon-Roboter“. 

Als weiterer Vater des Anrufbeantworters gilt Kazuo Hashimoto aus Japan. Er entwickelte 1958 das Ansa Fone, den ersten kommerziell erfolgreichen Anrufbeantworter für Firmen und Privathaushalte. 

1980 kosteten Anrufbeantworter in Deutschland übrigens noch satte 1.300 bis 3.000 DM. Alternativ bot die Deutsche Post einen Telefonauftragsdienst mit echten Menschen an, der für 3,00 DM pro Tag persönlich Anrufe entgegennahm. Auch nicht gerade ein Schnäppchen.

In den späten 1980er Jahren wurde der Anrufbeantworter mit selbst gesprochenen Ansagetexten in Deutschland zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Da die von der Bundespost zugelassene Modelle immer noch teuer waren und funktionelle Einschränkungen hatten, waren viele illegale Geräte auf dem Markt. Auch der Anschluss war nicht unproblematisch, da das Öffnen der damals noch verschraubten Anschlussdosen strengstens verboten war.

Mag sein, dass der klassische Anrufbeantworter heute zu den Auslaufmodellen gehört. Die Grundidee und die Technik leben unter dem Namen "Mailbox" auch in Zeiten von VOIP, UCC und CTI in den modernen Telefonanlagen und Cloud-TK-Anlagen weiter. Kaiser Franz Joseph hätte bestimmt seinen Spaß, denn die Möglichkeiten zum Aufspielen professioneller Telefonansagen-Texte sind heutzutage doch erheblich komfortabler als zu seiner Zeit.

Bild: Telefonmuseum TELEPHONICA.CH

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